• Isabell

Studieren an der Grenzstadt - Das Studentenleben zwischen Polen und Deutschland

Als Freiwillige/r bekommt man schnell mit, dass viele gerade jüngere Mitglieder des DPJWs an der Europa Universität Viadrina studiert haben. Schließlich bringt die Uni mit ihrer Lage in Frankfurt an der Oder an der deutsch-polnischen Grenze die perfekten Voraussetzungen für ein internationales Studium mit, und auch die Studenten/innen wirken engagiert und aufgeschlossen.

Dieser Artikel dient dazu, euch die Uni einmal vorzustellen und zu beschreiben, wie wir sie wahrgenommen haben, und gleichzeitig die Erfahrungen einer Studentin von der Viadrina mit euch zu teilen. Wir hoffen, dass damit die Leute unter euch, die Interesse an einem internationalen oder sogar speziell einem deutsch-polnischen Studium haben, einen ersten Eindruck bekommen können.

Während unseres kleinen Ausflugs in die Grenzstadt mit ca. 58000 Einwohner/-innen, wovon ungefähr 5000 Student/-innen sind, haben wir Frankfurt (Oder) als gemütliche Stadt kennengelernt, in der fast jeder jeden kennt.


300 Jahre lang - von der Eröffnung in 1506 bis zu der Verlegung der Universität nach Breslau 1811 - galt Frankfurt (Oder) als erste brandenburgische Landesuniversitätsstadt. Viadrina war bereits damals eine prestigeträchtige Universität, deren damalige Student/-innen hohe Ämter in Preußen erzielten. Dazu gehörten Juristen, die als Diplomaten in Staatsgeschäften tätig waren, Theologen, die zu den obersten Kirchenherren der Mark Brandenburg gehörten, und auch Frankfurter Medizinprofessoren waren nicht selten Leibärzte von Kurfürsten.

Damals hieß die Uni noch „Universitas Francofurtensis“ und an ihr studierten bis 1811 55000 junge Männer. Durch die Umstände zu dieser Zeit war es Frauen leider noch nicht vergönnt zu studieren. Das hat sich mittlerweile zum Glück geändert!

1991 wurden dann aus der Universitas Francofurtensis die Europa Universität Viadrina.

Auch heutzutage gilt die Viadrina als angesehene Universität, die mit ihrer besonderen Lage viele internationale Interessent/-innen anzieht. Zurzeit sind ungefähr 28 %, also mehr als ein Viertel der Studenten/-innen ausländischer Herkunft und kommen aus 109 verschiedenen Ländern. Die Universität gilt mit ihren 572 Beschäftigten (wovon einige selbst noch Student/-innen sind) und 73 Professor/-innen als größter Arbeitsgeber in Frankfurt (Oder). Es gibt insgesamt 3 Fakultäten: die juristische Fakultät, die kulturwissenschaftliche Fakultät und zu guter Letzt die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät.

An diesen werden Studiengänge in den jeweiligen Themenbereichen gelehrt. Wir hatten das Glück mit Dorothea in Kontakt zu kommen. Sie ist eine junge Studentin an der Viadrina. Zurzeit studiert sie im Master Sprache – Medien – Gesellschaft. Davor studierte sie bereits Interkulturelle Germanistik. Von ihr konnten wir einen genaueren Einblick in das Leben eines Studenten an der Grenze bekommen.

Durch eine Hochschulmesse hörte sie zum ersten Mal von der Uni an der Oder. Die Vorstellung, in einer Kleinstadt so nah an der Grenze zu studieren, gefiel ihr sehr, da sie bereits eine Affinität zu deutsch-polnischen Themen hatte. Auch die Wahl ihres Studiengangs fiel ihr nicht allzu schwer. Sie erklärte mir, dass ihre Familie aus Ungarn stammt, wo sie auch selbst geboren wurde, und damit an sich schon interkulturelle Germanistik im Alltag erlebt hat.

Sie beschreibt das Uni-Leben als vielfältig, mit individuellen Zügen. So gibt es eine Menge Orte und Events, wie den Studentenclub Stuck, oder auch die traditionellen Ersti-Parties, um seine Partygelüste zu stillen, aber auch eine Menge ruhige Orte, um sich mit Freunden zu treffen, oder auf einen Spaziergang zu gehen. Auch an Kultur fehlt es nicht in Frankfurt, so gibt es zum Beispiel die Konzerthalle, die Kulturmanufaktur oder das Kleistmuseum.

In den Seminaren und Vorlesungen hängt die Atmosphäre stark von dem gewählten Studiengang ab. Sie beschreibt die Kurse in ihrem kleinen Studiengang der kulturwissenschaftlichen Fakultät als sehr familiär und wertschätzend den Studenten gegenüber, gleichzeitig lobte sie den starken Austausch innerhalb der Kurse.

Dorothea betonte aber auch, dass der Unterricht vielleicht nicht ganz den Vorstellungen gleicht, die man über eine Uni hat. Ihre Kurse der kulturwissenschaftlichen Fakultät fanden nicht in großen Sälen mit 100 Student/-innen und mehr statt, die dem/der Professor/-in während seiner Vorlesung nur zuhören. Die Seminare erinnerten sie eher an den Unterricht in Schulen, mit Klassenzimmer, Tafel, und der Möglichkeit, sich aktiv zu beteiligen und mit anderen Student/-innen zu diskutieren. Wem also dieses relativ interaktive Lernen Freude bereitet, wird sich hier wohlfühlen.


Einige Kurse werden ebenfalls in dem Collegium Polonicum in Słubice gelehrt – einem gemeinsamen Lehrgebäude der Viadrina in Frankfurt(Oder) und der Partneruniversität in Poznań. Dazu haben wir erfahren, dass viele Student/-innen aufgrund der erschwinglichen Preise in Słubice im Nachbarland wohnen, aber in Deutschland studieren. Für sie gehört also der entspannte Gang über die Grenze zum normalen Alltag dazu.

Wer nach der Lehrzeit Lust hat, seinen Hobbys nachzugehen hat auch hier eine Menge Möglichkeiten. So gibt es Clubs an der Uni, die von Student/-innen geleitet und von der Uni unterstützt werden. Dorothea selbst war für kurze Zeit Teil des Uni-Orchesters. Dieser ist ebenfalls wie ihre Kurse eher klein gehalten und nimmt neue Mitglieder liebevoll auf. Andere Möglichkeiten sind auch der Sportclub, es gibt aber viele weitere studentische Initiativen oder Fachschaftsräte. Eigentlich ist für jeden etwas dabei, der sich etwas umguckt und informiert.

Ihr interessiert euch jetzt für die Viadrina und möchtet auch am liebsten sofort bewerben? Oder ihr fangt vielleicht selber bald mit dem Studieren an?

Dann sind hier noch ein paar Tipps von Dorothea für den Anfang: Macht euch nicht allzu viel Stress am Anfang. Es ist normal und in Ordnung, dass man sich zu Beginn vielleicht etwas verloren fühlt, aber das wird sich legen. Bei Problemen mit der Stundenplan-Organisation, die vielleicht zu Beginn kompliziert und überfordernd erscheint, gibt es an der Viadrina unterschiedliche Formen von Unterstützung, zum Beispiel durch Sprechstunden organisiert durch den Fachschaftsrat.


Zu guter Letzt möchten wir euch noch den GFPS vorstellen. Durch Maja (eine unserer Nachfolgerinnen) und Marcin (Freiwilliger vom letzten Jahr) haben wir auch den ehrenamtlich geführten Verein GFPS kennengelernt. Die Treffen hierfür finden auf dem Unigelände statt und viele der Mitglieder sind selber Student/-innen an der Viadrina. GFPS steht für ,,Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa‘‘ und ist ein Verein, der sich wortwörtlich für ein besseres Verständnis zwischen Mittel- und Osteuropa einsetzt. Zusammen veranstalten die Mitglieder Tandemtreffen und sammeln Spenden für Stipendien. Der Verein besteht aus insgesamt 73 Stadtgruppen, die alle in Universitätsstädten angesiedelt sind. Sie bieten Auslandsstudenten/-innen aus Ost- und Mitteleuropa an, Anschluss zu knüpfen und einen Tandem-Partner zu finden. Mit diesem können sie ihre Sprachkenntnisse erweitern und so besseren Anschluss in Deutschland finden. Das Programm bietet also die Möglichkeit, nicht nur einen neuen Freund oder eine neue Freundin zu finden, sondern auch, die alltäglichen Sprichwörter und Gebräuche näher kennenzulernen. Wer ein noch intensiveres Spracherlebnis sucht, kann sich auch bei einem der Sprachkurse anmelden. Dort fahrt ihr in eine Stadt in Ost- oder Mitteleuropa und lernt quasi wie auf einer Sprachreise erst morgens mit Hilfe von Lehrern die Sprache, und vertieft das Gelernte dann nachmittags mit einem/einer zugewiesenen Tandempartner/-in.

Ihr seid neugierig geworden und wollt mehr übers GFPS erfahren? Dann schaut doch hier vorbei!

Ich hoffe, dieser Beitrag zu Frankfurt (Oder) und seiner Universität hat euch gefallen und falls ihr noch mehr über unseren kleinen Ausflug erfahren wollt, dann klickt hier.

Falls ihr jetzt selbst ganz hin und weg seid und an der Viadrina studieren möchtet, erfahrt ihr hier mehr.

Ich möchte mich hier noch einmal bei allen Beteiligten bedanken, die uns bei unserem Trip unterstützt haben und uns ,,ihr Frankfurt‘‘ präsentiert haben.

Auch ein besonderer Dank geht an Dorothea raus, die sich bereit erklärt hat, uns ein paar Fragen über sie und ihr Uni-Leben zu beantworten.

Wir wünschen allen viel Glück und Erfolg für ihre Zukunft. Wir bleiben im Kontakt!